In allen Unternehmen gibt es viele strategische Entscheidungen, die von Managern getroffen werden und die Meinung von Mitarbeitern nur wenig berücksichtigen. Agile Unternehmen versuchen jedoch auch ihre Mitarbeiter in solche Entscheidungen einzubeziehen und vor allem mit selbstorganisierten Teams ihre Ziele zu erreichen. Dadurch müssen Entscheidungen auch in die einzelnen Teams beschlossen werden. Ob eine Entscheidung getragen wird, hängt vom Commitment der einzelnen Team Mitglieder ab. Sie können bessere Entscheidungen durch Konsent-Moderation herbeiführen und das Commitment steigern.

Als Scrum Master versuche ich die Entscheidungsfindung im Team zu moderieren, um einen Konsens zwischen den verschiedenen Meinungen herbeizuführen. In unseren Projekten müssen sich Kunden oft entscheiden, ob sie den Aufwand für Storys in Zeit also PT oder relativ in Story Points verwenden wollen. Da es sich hierbei um eine teamübergreifende Entscheidung handelt, sollten die alle Teams miteinbezogen werden. Am Ende müssen sie ja die Storys schätzen, also sollten sie hinter dieser Entscheidung stehen. Im Plenum wird dann diskutiert und darüber abgestimmt, welche Methode es am Ende wird. Oftmals wird dabei die Stimme der Mehrheit zu einer Entscheidung geführt. Am Ende ist es die relative Schätzung geworden.

Spätestens bei der aktiven Umstellung wurde mir klar, dass nicht alle im Team abgeholt sind und die Kollegen sich schwertaten mit der relativen Schätzung. Es gab Verständnisprobleme und Zweifel, ob Schätzungen in PT nicht doch sinnvoller seien.

Ich habe mich dann im Nachhinein gefragt, ob die richtige Entscheidung getroffen wurde oder einfach unter Zeitdruck eine Entscheidung herbeigeführt wurde. Haben wir alle Perspektiven durchleuchtet oder wurden zurückhaltende Kollegen durch die mehrheitliche Meinung überstimmt?

Konsent-Moderation

Für solche Grundsatzentscheidungen  bietet es sich an einen Konsent herbeizuführen. Bei einem Konsent wird ein Vorschlag so lange verändert, bis die Beteiligten keine schwerwiegenden Einwände mehr haben. Man einigt sich hierbei auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Lösungen sind dann gut genug zum Ausprobieren und können immer wieder angepasst werden.

Die Konsens-Moderation wird auch soziokratische Kreismethode genannt, weil Entscheidungen im Kreis besprochen werden.

Ablauf:

  1. Nachdem sich die Gruppe im Kreis aufgestellt hat, stellt der Scrum Master das neue Schätzverfahren vor.
  2. Anschließend hat jeder die Gelegenheit Verständnisfragen zu stellen und Informationen einzuholen. Der Scrum Master achtet darauf, dass noch keine Meinung besprochen wird.
  3. Nun kann jemand aus dem Kreis beginnen seine Meinung vorzustellen, ohne die Meinung eines anderen zu bewerten oder zu diskutieren.
  4. In einer zweiten Meinungsgrunde können Meinungsänderungen angezeigt werden, sofern die neuen Informationen und Statements der anderen Teilnehmer die Meinung beeinflusst haben.
  5. Schließlich stellt der Scrum Master die Frage, ob jemand einen schwerwiegenden Einwand hat. Jemand meldet sich beispielsweise mit dem Einwand: Relatives Schätzen sei schwierig ohne eine Referenz.
  6. Der Scrum Master bringt mit Hilfe der Gruppe den Einwand in den Vorschlag ein und passt ihn an. Er schlägt vor Referenz-Storys bereitzustellen, die das relative Schätzen vereinfachen. Der neue Vorschlag wird noch mal im Kreis vorgestellt und bewertet.
  7. Mit einer Daumenabstimmung bewertet jeder im Kreis, ob er einverstanden ist (Daumen hoch), die Entscheidung mitträgt (Daumen zur Seite) oder Einwände hat (Daumen runter)

Sobald noch Einwände aufkommen, kann der Ablauf wieder mit dem 5. Schritt begonnen werden.

 

Fazit

Sie können die Konsent-Moderation als Methode verwenden, um die Qualität von Entscheidungen zu steigern. Sie berücksichtigt die Meinung aller Akteure und deckt die unausgesprochene Skepsis bei einzelnen auf. Dabei werden die Potentiale, die in Einwänden stecken sinnvoll in Lösungsvorschläge umgewandelt. Für Scrum Master besteht die Herausforderung in der konsequenten Kreismoderation und dem Umwandeln von Einwänden in Lösungen. Insgesamt fördert die Methode das Verantwortungsbewusstsein für Veränderungsprozesse.