Vom 13. bis zum 17. November fanden in Potsdam die 9. Agile Testing Days statt. Wie jedes Jahr haben es Jose Diaz und sein Team von Trendig (ehemals Diaz und Hilterscheid) geschafft, viele bekannte und noch nicht so bekannte Sprecher und Dozenten zu gewinnen. Auf diese Weise wurde erneut eine hochkarätige Konferenz für Tester, Entwickler und sonstige an Agilen Themen Interessierte hier in Deutschland veranstaltet. Da ich das Vergnügen hatte, daran teilnehmen zu können, möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf die von mir besuchten Programmpunkte eingehen und darüber berichten. Da es mit fünf Tagen eine relativ umfangreiche Konferenz war, werde ich diesen Bericht auf zwei Blogbeiträge aufteilen.

 

Der Workshoptag

Ingesamt wurden 13 verschiedene Workshops angeboten, von denen ich mich für den Workshop von Jez Humble entschieden mit dem Titel „High Performance Product Development“.

In seinem Workshop hat Jez beschrieben, dass viele Firmen und Personen mit Produktideen viel Geld und Zeit dadurch einsparen könnten, wenn sie vor der Realisierung erst testen würden, ob diese überhaupt sinnvoll sind. Um das zu untermauern und eine mögliche Realisierung aufzuzeigen, haben wir in diesem Workshop nach einer kurzen Einführung innerhalb von 3 Stunden ein potentielles Produkt entwickelt. Zuerst haben wir uns eine Produktidee überlegt. Dann entwickelten wir Personas für eine mögliche Zielgruppe und dazu eine Empathy Map , in der eine mögliche Kundenperspektive antizipiert und die Probleme sowie die möglichen Lösungen aufgezeigt wurden.

Empathy Map

Business Model – The Empathy Map

Value Proposition Canvas

Value Proposition Canvas

Business Model Canvas

The Business Model Canvas

Anschließend haben wir mit einem Value Proposition Canvas einen ersten Ansatz für ein mögliches Produkt erstellt. Darauf aufbauend wurde ein Business Model Canvas ausgefüllt, mit dessen Hilfe wir unser Business Modell abgeschätzt haben. Anschließend wurden für dieses Modell Tests entwickelt, um damit den Erfolg unseres potentiellen Produkts abzuschätzen.

Diesen von Jez Humble vorgeschlagenen Ansatz halte ich für gut geeignet, durch einen relativ kostengünstigen Test die Entwicklung eines Produktes zu vermeiden, welches auf dem Markt nicht angenommen würde.


 

Day 1

 

Keynote: “Continuous Delivery Sounds Great But It Won’t Work Here” von Jez Humble

Nach einer kurzen Einführung was genau unter Continuous Delivery zu verstehen ist, nannte Jez Humble in seiner Keynote, die häufigsten Begründungen, warum dieser Ansatz angeblich nicht funktioniert. Unter anderem wurde genannt:

  • Zu viele Regularien
  • Es wird keine Webanwendung entwickelt
  • Der Code ist legacy
  • Die Mitarbeiter sind zu dumm

Diese Gründe konnten alle durch Jez Humble entkräftet werden. Als Beispiel für das Funktionieren des CD-Ansatzes nannte er HP, die innerhalb von 2 Jahren ihre komplette Build-und Deployment-Chain automatisieren und auf diese Weise die Kapazität für Innovationen schaffen konnten, die durch die vorhergehende Methodik nicht vorhanden war.

Keynote Jez Humble

Keynote Jez Humble

 

Workshop: Top 10 Agile Team Hacks

Sam Laing und Karen Greaves beschrieben in ihrem Workshop 10 Methoden, mit denen man die Zusammenarbeit agiler Teams verbessern kann.

  1. Übernahme von gemeinsamer Verantwortung fördern
  2. Kontinuierliches Testen
  3. Teamarbeit fördern
  4. Alle Treffen vorbereiten und moderieren
  5. Cross-Skills feststellen und gemeinsames Lernen fördern
  6. Effektives Stand-Up-Meetings
  7. Hindernisse aufdecken und aus dem Weg räumen
  8. Maximal eine Verbesserung pro Sprint
  9. Investition in das Lernen der Teammitglieder
  10. Erfolge feiern

Die einzelnen Punkte wurden innerhalb des Workshops noch genauer beschrieben und Rückfragen beantwortet.

Top 10 Agile Team Hacks

Top 10 Agile Team Hacks

 

Keyword: Owning Our Narratives

In dieser Keynote hat Angie Jones die Geschichte der Musiker und die Entwicklung der Musikindustrie erzählt. Durch die Erfindung der Tonaufzeichnung wurden es allen Menschen möglich, überall Musik zu hören und die Bedeutung der Life-Musik nahm ab. Aber nach wie vor sind die Musiker die kreativen Köpfe hinter der Musik und obwohl sich die Arbeitsweise verändert hat. Angie Jones schlug dann die Brücke zum Testen und bekräftigte mit ihrer Analogie, dass immer Tester benötigt werden, egal wie sehr sich auch die Technologie des Testens ändert.

 

Vortrag Safe To Fail

Ray Arell sprach in seinem Vortrag darüber, dass man während der Produkt-Entwicklung einen Ansatz wählen sollte, der es den Leuten ermöglicht, auch Fehlschläge zu machen, da diese ein Weg sind, zu lernen. Wenn man Fehlschläge als Misserfolg deutet und diese negativ vorbelegt, führt dies dazu, dass innovative Kräfte entweder das Unternehmen verlassen oder ggf. darauf verzichten, ihre potentiell guten Ideen auszuprobieren.

Safe To Fail

Safe To Fail

 

Regression Testing

In ihrem Vortrag vertraten Carlo van Driel und Marc van den Berg die These, dass man komplett auf Regressionstest verzichten sollte. Begründet haben Sie diesen Ansatz damit, dass die gesamte Funktionalität einer Anwendung bereits durch Unit-, Integrations- und Systemtests getestet wird und daher Regression gar nicht vorkommen kann.

Dieser Ansatz funktioniert allerdings nur dann, wenn eine Anwendung auch komplett durch diese Tests abgedeckt wird.

 

Keyword: How To Onboard New Hires Into Happy And Productive Employees

In der letzten Keynotes des Tages von Poornima Vijayashanker betonte die Sprecherin, wie wichtig ein guter Onboarding Prozess für neue Mitarbeiter ist, damit sie sich direkt in einer neuen Firma wohl fühlen und sich nicht verloren vorkommen. Dies steht im Gegensatz zur häufigen Praxis, die Neueinsteiger teilweise wochen- und monatelang nicht mit sinnvollen Arbeitsaufgaben und -mitteln versorgt werden und auf diese Weise direkt beim Einstieg stark frustriert werden. Dies ist eine Möglichkeit, die Bindung der Mitarbeiter an die eigene Firma zu festigen und so ggf. die Mitarbeiterfluktuation positiv zu beeinflussen.

 

Day 2

 

Keynote “Popcornflow” von Claudio Perrone

Claudio Perrone führt mit seiner Keynote in seine Methodik des Popcorn-Flow ein, mit der man seine Produkte und Ideen systematisch verbessern kann, entsprechend des Mottos: „If change is hard, make it continous“. Dabei steht diese Abkürzung für die einzelnen Arbeitsschritte, die dabei ausgeführt werden sollen.

  1. Problems & Observations
  2. Options
  3. Possible Experiments
  4. Committed
  5. Ongoing
  6. Review
  7. Next

Als Beispiel für seine Methode führte unter anderem seinen Sohn an, der versucht hat, die Schnecken aus seinem Garten in der Nachbarschaft zu verkaufen. Nach einigen Versuchen ist er mit Hilfe des Popcorn-Flows dazu gekommen, ein Schnecken-Cartoon zu verkaufen, welches mittlerweile bereits über 160 Euro eingebracht hat.

Popcorn Flow

Popcorn Flow

 

Workshop: “Testing In A Continuous World” von Lisa Crispin und Elisabeth Hocke

In ihrem Workshop haben Lisa und Lisi vorgestellt, wie man mit Hilfe von einfachen Hypothesen und deren Überprüfung in der Lage ist, seinen QA-Prozess zu verbessern. Die Teilnehmer konnten in Gruppen diese Methode ausprobieren, in dem sie selbst eine Hypothese aufgestellt und dann das Ziel, das erwartete Ergebnis, sowie mögliche Experimente dazu aufgeschrieben haben, die sie in der täglichen Praxis ausprobieren könnten.

Beispiel Hypothese

Beispiel Hypothese

 

Keynote: “A Practical Guide To Testing DevOps” von Katrina Clokie

In ihrer Keynote erzählte Katrina Clokie einige Bespiele aus ihrem Buch mit dem gleichnamigen Titel, auf welche Weise Tester in die Welt des DevOps passen und wie sie sich am bestem mit den geänderten Arbeitsabläufen arrangieren und dort integrieren.

 

Workshop “Testopsy – Dissection Your Testing” von Huib Schoots und Alexandra Schladebeck

Im Workshop von Huib Schoots und Alexandra Schladebeck wurde die Praxis des Explorativen Testens genauer durchleuchtet. Dazu haben die Teilnehmer in Zweiergruppen eine WebSite getestet und anschließend wurde in einer Gruppe zusammengetragen, welche Taktiken und Fähigkeiten dazu nötig sind. Dabei wurde teilweise die genaue Motivation für Handlungen hinterfragt und aufgeschrieben, um auf diese Weise bessere explorative Tests durchführen zu können.

 

Keynote “Breaking Down Silos To Team Cross Functionality” von Natalie Warners

Natalie Warners sprach in ihrer Keynote über die Probleme, die Teams bei der Suche nach dem Agilen Ideal der Cross-Funktionalität von Teams auftreten können. Aufgrund der zumeist kurzen Sprint-Zyklen und dem Ruf danach, alles zu automatisieren, wird versucht, Cross-Funktionale Teams aufzubauen. Dies widerspricht allerdings der Tendenz der meisten Menschen, sich auf nur wenige Bereiche zu spezialisieren. Die Lösung dieses Dilemmas ist, dass es letzendlich darauf ankommt, die Arbeit und das Projekt erfolgreich zu beenden und dabei sind Ansätze aller Personen willkommen, die dabei helfen können. Cross-Funktionalität ist kein Paradigma einzelner Personen, sondern das Team an sich muss diese Forderung erfüllen.