Storypoints beschreiben nicht nur den Aufwand, sondern sind eine Maßeinheit, die eine bestimmte Funktionalität vom Gesamtprodukt beschreibt. Agile Teams wollen Funktionalität mit Wert liefern und keine Zeit. Deswegen sind Storypoints die bessere Schätzeinheit als reine Zeitschätzungen.

Was ist das Problem mit den klassischen Zeitschätzungen?

Auch in agilen Projekten wird oft noch mit Tagen, Stunden oder anderen Zeiteinheiten geschätzt. Dabei haben Zeitschätzungen einige Nachteile:

  • Sie sind absolut und bringen Arbeitspakete nicht in eine Relation zueinander
  • Zeitschätzungen sind personenbezogen und keine Teamschätzungen
  • Solche Schätzungen sind rein aufwandsbezogen und betrachten nicht die Komplexität
  • Sie sind tendenziell ungenau
  • Keine Beschreibung des Anteils einer Funktionalität am Gesamtprodukt

Wie funktionieren Storypoints?

In Scrum und anderen agilen Methoden haben sich Storypoints als Alternative zu Zeitschätzungen über die letzten Jahre in Position gebracht. Storypoints beschreiben eine Funktionalität aus einem Mix aus Aufwand und Komplexität und lösen damit einige Probleme, die man mit den klassischen Zeitschätzungen hat.

In der Astronomie gibt es ein ähnliches Problem, die eine absolute Bewertung einer Messgröße schwierig macht. Wenn Sie bei Dunkelheit in den Sternenhimmel schauen, können Sie sehr einfach sehen, dass es hellere und dunklere Sterne gibt. Allerdings hängt die Helligkeit eines Sternes nicht nur von seiner Leuchtkraft ab, sondern auch von seiner Entfernung zu uns. Je weiter er von uns entfernt ist, desto weniger Licht kommt bei uns an.

Um trotzdem die Helligkeit eines Sternes beschreiben zu können, haben die Astronomen ein ähnliches Verfahren genutzt, wie wir in agilen Projekten mit den Storypoints. Sie haben einfach eine Sternenklasse (die Cepheiden) als Standard definiert und beschreiben nun die Helligkeit aller anderen Sterne relativ zu diesen Standardsternen. Somit ist man jetzt in der Lage zu sagen, dass Stern A doppelt so hell ist, wie der Standardstern ohne seine Entfernung kennen zu müssen.

Bei Storypoints machen wir das genauso. Wir definieren eine Referenzstory, die das Team sehr gut verstanden hat, gut abschätzen kann und einen mittleren Aufwand und Komplexität hat. Dieser Story geben wir einen mittleren Storypointwert. Nun gehen wir durch das Backlog und bewerten die anderen Stories nach der Maßgabe, ob diese mehr oder weniger aufwändig/komplex sind.

Ein Beispiel warum Storypoints rocken

Sie kennen sicherlich die Situation in einem Team: Sie haben Teammitglieder, die sehr schnell arbeiten, aber auch Teammitglieder, die etwas mehr Zeit brauchen. Sagen wir einfach mal, dass der schnellere Mitarbeiter Peter heisst und der langsamere Ivan.

Klassische Zeitschätzung

Peter würde eine Schätzung für eine Story abgeben, die seiner Arbeitsgeschwindigkeit entspräche. Würde er jedoch in dem Sprint ungeplant ausfallen, könnte Ivan die Story nicht in derselben Zeit erledigen, sondern würde deutlich länger brauchen. Dies könnte das Sprintziel in Gefahr bringen.

Schätzung mit Storypoints

Peter schätzt eine Story als deutlich aufwändiger und komplexer als die Referenzstory ein und vergibt für diese beispielsweise 8 Storypoints. Ivan folgt dieser Einschätzung und vergibt ebenfalls 8 Storypoints. Da die Teamkapazität eines Sprints ebenfalls mit Storypoints bewertet wird, besagt diese Storypointsvergabe nur: Die Story benötigt 8 Storypoints von der Gesamtkapazität des Teams. Dabei wird der wirkliche Zeitaufwand außer acht gelassen, da das Team weiß, wieviel Kapazität in Storypoints sie haben.

Erste Schritte mit Storypoints

Erste Schritte mit Storypoints

Wenn Sie nun mit Storypoints durchstarten wollen, können Sie das mit dieser kleinen Roadmap erreichen:

  • Definieren Sie die Storypointskala. Bewährt hat sich eine Fibonacci-Reihe von 1 – 13 Storypoints.
  • Definieren Sie mit Ihrem Team eine Referenzstory mit einem mittleren Aufwand und einer mittleren Komplexität. Vergeben Sie für diese Referenzstory einen mittleren Storypointwert der im ersten Schritt definierten Skala.
  • Ordnen Sie die anderen Stories aus ihrem Backlog relativ zu ihrer Referenzstory ein und vergeben Sie die Punkte laut der definierten Storypointskala.

 

Viel Erfolg.